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Mangelernährung: Deutschland im internationalen Vergleich

25 Prozent der Patienten in deutschen Pflegeheimen sind mangelernährt. Das ergab die Auswertung der nutritionDay-Daten durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). International findet Mangelernährung mehr Beachtung als in Deutschland. Das spiegelt sich nicht zuletzt in der Menge der Daten wider. International sind die Studien zahlreich, in Deutschland ist die Datenlage spärlich.


Datenerhebung

Ziel des von der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) gemeinsam initiierten und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Vorhabens für den 14. DGE-Ernährungsbericht war es daher, die Ernährungssituation in deutschen Kliniken und Pflegeheimen zu bewerten und international zu vergleichen. Zwischen 2006 und 2018 erhoben die Forschenden Daten zur Häufigkeit von Mangelernährung und bestehenden Versorgungsstrukturen. Die systematische Auswertung von diesen Daten lassen für Professorin Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg nur einen Schluss zu: „Die Ergebnisse zeigen deutlich Handlungsbedarf auf.“ Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsversorgung seien „dringend erforderlich, um der Entwicklung von Mangelernährung vorzubeugen“. Außerdem müssten „bestehende Ernährungsprobleme angemessen“ behandelt werden. Volkert führte die Datenerhebung und Auswertung in enger Zusammenarbeit mit nutritionDay Wien, DGEM und DGE durch.


Ergebnisse

2018 verfügten nur 10 Prozent der deutschen Kliniken und 30 Prozent der Pflegeheime über eine Diätassistenz. In den anderen teilnehmenden Ländern Europas waren es mehr als 60 und 85 Prozent. Eine Ansprechperson für Ernährung gab es in 58 Prozent der Kliniken und 45 Prozent der teilnehmenden Wohnbereiche in Pflegeheimen in Deutschland. Europaweit hingegen waren es 82 und 71 Prozent. Ernährungsmaßnahmen wie die Gabe von angereicherter Kost oder Trinknahrung, so zeigen die Ergebnisse, werden deutlich häufiger ergriffen, wenn Ernährungsfachkräfte und ein routinemäßiges Screening auf Mangelernährung etabliert sind. Mit zunehmender Schwere der Mangelernährung wurden zwar Maßnahmen ergriffen, aber nur ein Teil der von schwerer Mangelernährung Betroffenen erhielt eine Intervention. Die Mortalität der Betroffenen stieg mit schlechter werdendem Ernährungszustand und abnehmender Essensaufnahme. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Situation in deutschen Kliniken und Pflegeheimen noch schlechter sei, da nur ernährungsmedizinisch interessierte und engagierte Institutionen an der Studie teilnahmen.


Maßnahmen

Leitlinien und Standards müssten flächendeckend eingeführt und umgesetzt werden, damit die Ernährungsversorgung in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu verbessern. Die Erfassung der Ernährungssituation sollte Routine bei der Aufnahme sein. So könne ein Risiko für oder eine bestehende Mangelernährung frühzeitig identifiziert werden. Unerlässlich für eine gute ernährungsmedizinische Versorgung ist qualifiziertes Personal. Darunter sollten ernährungsmedizinische Ärzte, Pflegekräfte und Diätassistenzen sein. Außerdem sind interdisziplinäre Ernährungsteams nötig. Fachkompetenz ist unausweichlich, um die bestehenden Probleme zu lösen. Aber auch ein hochwertiges und attraktives Essensangebot ist notwendig, um die ausreichende Nährstoff- und Kalorienaufnahme der Patientinnen und Patienten sicherzustellen.


Hintergrundinformationen

Die DGE erstellt den DGE-Ernährungsbericht alle vier Jahre im Auftrag des BMEL. Die wissenschaftsbasierten DGE-Ernährungsberichte beschreiben und bewerten die Entwicklung der Ernährungssituation in Deutschland. Der Bundesregierung dienen die Forschungsergebnisse und Aussagen als Entscheidungshilfe für ihre gesundheits- und ernährungspolitischen Maßnahmen. Weitere Informationen zu den DGE-Ernährungsberichten sind in einem FAQ-Papier zusammengestellt.

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