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Kurz & Knapp: Depressionen im Alter

Depressionen sind weltweit in modernen Industrieländern Volkskrankheit. Die Symptome sind über alle Schichten und Generationen hinweg ähnlich. Dennoch gibt es Besonderheiten bei Depressionen im Alter. Was Pflegekräfte wissen müssen, haben wir zusammengetragen.


Zahlen & Fakten

Oft wird die Annahme verbreitet, Depressionen träten im Alter häufiger auf. Aktuelle Studien zeichnen ein anderes Bild. Altersdepressionen treten nach ihnen weniger häufig auf. Laut der 2017 veröffentlichten Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des Robert-Koch-Instituts (RTI) sind über 8 Prozent aller 18- bis 79-jährigen von einer Depression betroffen. Im Alter von 70 bis 79 hingegen sind nur knapp über 6 Prozent erkrankt. Weltweit waren 2015 laut einer Publikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 322 Millionen Menschen betroffen. Heute sollen es nach Schätzungen bereits ungefähr 350 Millionen sein. An Krebs leiden hingegen weltweit rund 35 Millionen. Die Studie des RTI zeigt: Frauen sind öfter betroffen als Männer. Während des Jahres vor Studienteilnahme erfüllten 13 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer die Diagnosekriterien für eine Depression. Eine unipolare – also „gewöhnliche“ – Depression kam dabei häufiger vor und zeigte eine deutlichere Diskrepanz zwischen den Geschlechtern. Die Bipolare-Störung war mit 1,5 Prozent der Studienteilnehmenden deutlich weniger häufig und war beinahe gleich verteilt (Frauen: 1,7 Prozent; Männer: 1,3 Prozent)


Symptome

Die Symptome unterscheiden sich in den Altersgruppen kaum. Laut Neurologen und Psychiater im Netz liegt der einzige Unterschied in einer schleichenden Entwicklung im Alter. Außerdem sollen sie im Alter oft von anderen Beschwerden verdeckt werden und somit seltener erkannt werden. Müdigkeit und Kopfschmerzen werden oft als Begleiterscheinungen anderer Erkrankungen gesehen. Außerdem sei die Suizidgefährdung im Alter – insbesondere bei Männern – erhöht. Viele Symptome der Depression können leicht übersehen werden, weil sie mit alterstypischen Erscheinungen und Erkrankungen einhergehen. Wichtig ist, die Klientinnen zu beobachten und Verdachtsmomente im Team anzusprechen. Depressionen sind gut behandelbar, wenn sie erkrankt werden.


Körperliche Symptome: ● Kopfschmerzen ● Rücken- und Gliederschmerzen ● Magen-Darm-Beschwerden, speziell Verstopfungen ● Herzrhythmusstörungen ● Atemprobleme ● Schwindelgefühle ● Missempfindungen („Kribbeln“ am Körper) ● Appetitlosigkeit mit einhergehendem Gewichtsverlust ● Schlafstörungen ● Müdigkeit ● Innere Unruhe ● Konzentrations- und Gedächtnisstörungen ● Selbstverletzungen


Psychische Symptome: ● Antriebs- und Lustlosigkeit ● Emotionales Abstumpfen ● Gleichgültigkeit ● Sozialer Rückzug ● Weinanfälle ● Selbstzweifel, Gefühle der Wertlosigkeit, Destruktivität ● Suizidalität


Behandlung

Zur Behandlung werden oft Medikamente – beispielsweise Antidepressiva oder situationsabhängig auch Neuroleptika – eingesetzt. Die medikamentöse Therapie wird im Alter komplexer. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können auftreten. Außerdem ist durch den veränderten Stoffwechsel oft werden die Wirkstoffe langsamer aufgenommen als bei jungen Menschen. In anderen Fällen ist die Wirksamkeit herabgesetzt, wenn die Medikamente durch den Darm schlechter aufgenommen werden. Besonders wirksam ist auch im Alter die Psychotherapie. Dabei sollte beachtet werden, dass Unterschiede zwischen Psychiaterinnen, Psychologinnen und Psychotherapeutinnen bestehen. Eine Psychiaterin verschreibt die Medikamente, während eine Psychologin ein Psychologie-Studium abgeschlossen hat. Nur die Psychotherapeutin ist durch Medizin- oder Psychologie-Studium und einer mehrjährigen Ausbildung berechtigt Psychotherapien durchzuführen. Besonders ratsam sind die Kognitive Verhaltenstherapie, bei der Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen im Mittelpunkt stehen und die Interpersonelle Psychotherapie, die sich auf die aktive Bewältigung der Symptome konzentriert. Ebenfalls hilfreich und ratsam ist die Unterstützung und Aktivierung aus dem sozialen Umfeld der Patientinnen. Ausflüge können heilsame Wirkung auf den Gemütszustand depressiver Menschen haben. Aber auch neue Aktivitäten, wie eine Tanzgruppe oder kulturelle Veranstaltungen können zum Abklingen von Depressionen Episoden beitragen. Sogar Rückfallrisiken sinken, wenn die neuen Aktivitäten in den Alltag der Betroffenen integriert werden. Hier sind besonders Pflegekräfte, Angehörige und Sozialarbeiter gefragt. Sie können eine entscheidende Rolle für einen gelungenen Lebensabend spielen.

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